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Levan Kenia - der Hiob Georgiens

Im EM-Qualifikations-Spiel zwischen Georgien und Deutschland (Sonntag, 18 Uhr im LIVE-TICKER)treffen nicht nur zwei Fußball-Welten aufeinander, sondern auch ehemalige Kollegen. Manuel Neuer und Benedikt Höwedes dürfte ihr ehemaliger Mitspieler Levan Kenia noch im Gedächtnis geblieben sein. Und nicht nur denen.

Als Kenia im April 2009 für den FC Schalke 04 gegen den Karlsruher SC debütierte, kannten viele Experten seinen Namen längst. Spätestens nachdem er in der darauffolgenden Spielzeit in den ersten zehn Spielen zum Einsatz gekommen war, hatte er sich auch bei den Fans einen Namen gemacht.

Mit Vorschusslorbeeren gestartet

Nicht nur seine taktische Finesse fiel auf, sondern auch seine mentale Stärke. Nach dem siegbringenden Treffer von Jefferson Farfan im Revierderby gegen Borussia Dortmund feierte er mit geballter Faust vor der Südtribüne. In Dortmund. Als 18-Jähriger.  

Ein legitimer Nachfolger für den im Sommer 2007 abgewanderten Spielmacher Lincoln schien gefunden zu sein. Mit seiner Ballbehandlung und Technik begeisterte er den damaligen georgischen Nationaltrainer Klaus Toppmöller bereits mit 16 Jahren: "Wenn er zaubert, ist es ein Gedicht. Er wird eine Vollgranate, ein absoluter Weltstar", war sich der Coach sicher.

34a148b53aa46bd03ce9044566e6f5b87a76281fLevan Kenia galt vor einigen Jahren als eines der größten Talente Europas

Bis Ende September 2009 sah es so aus, als würde der ehemalige HSV-Coach mit seiner Vermutung Recht behalten. Dann zog sich Kenia jedoch eine Sprunggelenksverletzung zu und seine aktive Spielerkarriere in der ersten Mannschaft der Schalker war vorbei.

Nach mehreren Operationen am lädierten Fuß schickte ihn Schalke-Trainer Felix Magath Anfang 2011 im Trainingslager wieder auf den Platz. Zu früh, wie sich später herausstellen sollte. Ein weiterer operativer Eingriff war unumgänglich.

"Ein Rückschritt"

Aufgrund der unsicheren Zukunftsaussichten und der Wiederkehr seiner Verletzung entschied sich der Verein, den im Sommer 2012 endenden Vertrag nicht zu verlängern. Ein Wechsel in die Ukraine zu Karpaty Lviv war die Folge.

„Ich weiß, es ist ein kleiner Rückschritt, aber ich sehe das jetzt als neue Chance", resümierte der damals 21-Jährige vor seinem Transfer. Ohne zu wissen, dass er bereits ein Jahr später seine Rückkehr nach Deutschland feiern sollte.

Die Fortuna aus Düsseldorf verpflichtete ihn für 400.000 Euro und Trainer Mike Büskens setzte in den ersten Partien auf den wiedererstarkten Georgier. Eine Fersenverletzung und ein Fingerbruch brachten ihn letztlich aus dem Tritt, sodass sich beide Parteien auf eine Vertragsauflösung zum Saisonende einigten.

Der zweite Frühling in jungen Jahren?

Bereits bei seinem Abgang vom FC Schalke 04 ließ er durchblicken: "Ich wollte schon alles beenden." Doch der mittlerweile 24-Jährige gab auch während seiner temporären Vereinslosigkeit nicht auf und erkämpfte sich im Oktober des letzten Jahres einen Vertrag bei Slavia Prag.

Sein Karriere- und insbesondere Verletzungsverlauf erinnert an die biblische Geschichte rund um Hiob, dessen Glaube von Gott durch zahlreiche persönliche Verluste geprüft wurde. Auch Kenias Wille und  Durchhaltevermögen wurde durch die große Anzahl an Verletzungen auf die Probe gestellt. Aufgegeben hat er aber nie.

Vom einstigen aufstrebenden Star, der die Fußball-Welt im Sturm erobern sollte, ist zwar nicht mehr viel übrig geblieben, dennoch gehört er mit 24 Jahren noch lange nicht zum alten Eisen. Sofern der Nationalspieler verletzungsfrei bleiben sollte, könnte seine Karriere auch jetzt noch einen positiven Verlauf nehmen. Vielleicht erfüllt sich dann zukünftig noch ein Wunsch, den er bei seinem Schalke-Abgang 2012 klar formulierte: "Eines Tages würde ich gerne zurückkommen. Und wieder im besten Stadion Europas spielen."

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