Volgens Hiddink heeft de KNVB de juiste keuze gemaaktGetty Images

Versäumtes nachholen: Guus Hiddink ist Oranjes Hoffnung

KOMMENTAR
Von Stefan Coerts

Guus Hiddink ist wohl einer der renommiertesten und erfolgreichsten Trainer der letzten drei Jahrzehnte. Zweifellos verdient der Niederländer es, in einer Reihe mit so illustren Namen wie Sir Alex Ferguson, Jose Mourinho, Pep Guardiola, Fabio Capello und Louis van Gaal genannt zu werden.

Hiddink war nicht nur als Nationalcoach von Ländern wie Südkorea, Australien und Russland ziemlich erfolgreich, auch bei großen Vereinen wie PSV, Valencia, Real Madrid und Chelsea hatte er im Verlauf seiner Karriere das Sagen.

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Dennoch gibt es da noch etwas, das Hiddink sich nicht auf die Fahnen schreiben darf - und zwar der Gewinn eines großen Titels auf Länderebene.

Und aus genau diesem Grund zweifelte er keinen Moment, als ihm der Niederländische Fußballverband (KNVB) anbot, Louis van Gaal nach der WM 2014 zu beerben.

Wie sein Vorgänger lief Hiddinks erste Amtszeit als Bondscoach durchwachsen. Während van Gaal vor allem sportlich Luft nach oben hatte, gab es bei Hiddink abseits des Platzes Probleme.

HOLLANDS TRAINER MIT DEN MEISTEN SPIELEN
NAMESPIELESIEGE
Bob Glendenning8736
Dick Advocaat5531
Rinus Michels5330
Marco van Basten5235
Bert van Marwijk5234
Elek Schwartz4919
Louis van Gaal4326
Guus Hiddink3822
Jaap van der Leck295
George Kessler2810

Der heute 67-Jährige führte die Niederlande durch die Qualifikationsphase zur EM 1996, beim Turnier in England eskalierte die Situation jedoch. Im Eröffnungsspiel gegen Schottland gab es ein Remis, gefolgt von einem Sieg gegen die Schweiz. Zur Freude gab es dennoch wenig Grund.

Edgar Davids, der nach der Auftaktpartie aus der niederländischen Startelf geflogen war, kritisierte den Trainer öffentlich, nachdem dieser Clarence Seedorf in der zweiten Begegnung nach nur 26 Minuten ausgewechselt hatte - und zwar mit deutlichen Worten. Hiddink solle "seinen Kopf aus dem Arsch bestimmter Spieler" entfernen, so Davids. "Dann kann er die Dinge auch klarer sehen."

Die verbale Breitseite des ehemaligen Spielers von Juventus Turin löste in Holland eine nationale Debatte über Probleme innerhalb des Kaders aus. Dabei fühlte sich die als "de kabel" titulierte Gruppe von Spielern mit surinamischer Abstammung ungerecht behandelt - namentlich ging es um Davids, Seedorf, Patrick Kluivert, Winston Bogarde und Michael Reiziger. Es stand der Vorwurf im Raum, Hiddink würde Akteure wie Danny Blind and Ronald de Boer bevorzugen.

Hiddink hatte keine andere Wahl, als Davids nach diesen Äußerungen nach Hause zu schicken, der Schaden war jedoch bereits angerichtet. Oranje wurde im letzten Gruppenspiel von England abgeschossen, ehe in der K.o.-Runde letztlich Schluss war und man gegen Frankreich rausflog.

Guus Hiddink durfte dennoch als Bondscoach weitermachen. Er schaffte es, vor der WM 1998 die Dinge wieder in die richtigen Bahnen zu lenken und beim Turnier in Frankreich konnten die Niederländer nach einigen starken Auftritten sowie Siegen gegen Jugoslawien und Argentinien ins Halbfinale einziehen. Dort traf man auf Brasilien.

Für Hiddink und Oranje sollte es aber erneut nicht sein.

Trotz Kluiverts spätem Ausgleich, der den Treffer von Ronaldo egalisierte, siegten im Elfmeterschießen letztlich die Südamerikaner. Auch, weil der Schiedsrichter nicht auf Elfmeter entschied, als Junior Baiano in der Schlussminute der regulären Spielzeit van Hooijdonk im Strafraum gefoult haben soll. Hiddink stand wieder mit leeren Händen da.

Ein vielversprechender Kader

Etwa 16 Jahre später erhält der erfahrene Coach nun eine letzte Chance, ein großes Turnier mit einem Nationalteam zu gewinnen. Es würde die desaströse EM '96 vergessen machen. Dabei hat er einen interessanten Kader von van Gaal geerbt.

Während die Teams von Deutschland, Spanien und England nach der WM mehrere Spieler durch Rücktritte verloren haben, hat Oranje ziemlich genau den Kader behalten, mit dem man in Brasilien ins Halbfinale eingezogen ist. Die Star-Spieler Arjen Robben, Robin van Persie und Nigel de Jong haben noch mindestens zwei Jahre auf höchstem Level vor sich. Außerdem haben Akteure wie Daryl Janmaat, Bruno Martins Indi, Stefan de Vrij, Daley Blind und Georginio Wijnaldum unter van Gaal einen großen Schritt nach vorne gemacht. Hinzu kommen Talente wie Memphis Depay, Davey Klaassen und Virgil van Dijk. Keine Frage - Holland sollte man auf der Rechnung haben.

In der vergangenen Woche verlor man das bedeutungslose Freundschaftsspiel gegen Italien zwar mit 0:2, die Aussagekraft hielt sich aufgrund einer frühen Roten Karte für Martins Indi aber in Grenzen. Richtig ernst wird es am Dienstagabend, wenn die Niederlande in der EM-Qualifikation in Tschechien gastiert (20:45 Uhr im LIVE-Ticker).

Zehn Qualifikationsspiele und sieben Partien bei der Endrunde in Frankreich - danach könnte König Guus seinen Thron besteigen. Ohne Davids-Albträume, ohne Bilder von Junior Baiano im Kopf, sondern mit der Trophäe in der Hand - das ist das Ziel. Der Weg zur Erlösung beginnt in Prag und soll im Stade de France enden, am 10. Juli 2016.

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